zum Inhalt springen

Textspalten

Fetischismus als literarische Strategie

 

Kunst ist Fetischismus – dieser Vorwurf gegenüber einer Kunst, die sich scheinbar in sich selbst verschließt und nur noch eine quasi-religiöse Verehrung zulässt, muss in seiner ganzen Konsequenz gedacht werden. Wird doch »Fetischismus« als polemisches Schlagwort häufig um so freimütiger verwendet, je unklarer seine Bedeutung ist. Auch die »Kulturwissenschaften«, die sich augenblicklich um seine Aufarbeitung bemühen (Böhme), konnten bislang keine befriedigende Bestimmung dieses polyvalenten Begriffs geben. Stellt man dagegen die jeweils textuellen Klärungsversuche und Inanspruchnahmen des Begriffs bei Freud und Marx in den Vordergrund, so erklärt sich »Fetischismus« als ein Begriff, der seine eigenen Möglichkeitsbedingungen produziert und reflektiert. Die vorliegende Studie arbeitet diesen Begriff von »Fetischismus« in der Psychoanalyse, der marxistischen Ökonomie und der (post-)strukturalen Linguistik heraus und bewährt ihn u.a. in Lektüren von Maupassant (»La Chevelure»), Tieck (»Der Runenberg«), und R. Müller (»Irmelin Rose«); Texte, in denen »Fetischismus« nicht so sehr thematisiert als sprachlich vollzogen wird. So erscheint »Fetischismus« als eine literarische Strategie, in der sich nicht nur die Spannung der Sprache zwischen Psychoanalyse und Ökonomie, sondern ebenso die Körperlichkeit und Erotik des Wortes neu fassen lässt: Kunst ist Fetischismus.

Joachim Harst, Textspalten. Fetischismus als literarische Strategie (= Neues Forum für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, 34), Heidelberg: Winter 2007. 141 Seiten. 23 €